Weißer Wasserstoff: Liegt die Energie der Zukunft unter unseren Füßen?
Weißer Wasserstoff: Liegt die Energie der Zukunft unter unseren Füßen?
Wasserstoff gilt als wichtiger Baustein für eine klimafreundlichere Energieversorgung. Doch während derzeit vor allem über sogenannten grünen Wasserstoff gesprochen wird, rückt eine andere Form zunehmend in den Fokus: natürlicher Wasserstoff, auch „weißer Wasserstoff“ genannt.
Der Geologe Jürgen Grötsch sucht in Nordbayern nach solchen Vorkommen. Gemeinsam mit Studierenden untersucht er den Waldboden und misst, ob Wasserstoff aus tieferen Gesteinsschichten an die Oberfläche gelangt. Bei einer Messung wurde eine deutlich erhöhte Wasserstoffkonzentration festgestellt. Grötsch vermutet deshalb, dass sich in der Region ein größeres Vorkommen befinden könnte.
Anders als herkömmlicher Wasserstoff muss natürlicher Wasserstoff nicht künstlich hergestellt werden. Er entsteht durch geologische Prozesse tief im Erdinneren. Unter bestimmten Bedingungen reagiert Wasser mit eisenhaltigem Gestein. Dabei wird Wasserstoff freigesetzt, der durch Risse im Gestein nach oben wandern und sich in unterirdischen Gesteinsschichten sammeln kann.
Das Potenzial ist laut Forschenden groß. Schätzungen des US Geological Survey gehen davon aus, dass sich weltweit gewaltige Mengen natürlichen Wasserstoffs in der Erdkruste befinden. Allerdings ist bislang unklar, wie viel davon tatsächlich erreichbar und wirtschaftlich nutzbar ist.
Dass die Gewinnung grundsätzlich funktionieren kann, zeigt ein Projekt im westafrikanischen Mali. Im Ort Bourakébougou wird natürlicher Wasserstoff bereits gefördert und zur Stromerzeugung eingesetzt. Die bislang produzierten Mengen sind zwar vergleichsweise klein, dennoch liefert das Projekt wichtige Erfahrungen für die weitere Forschung.
Auch in Bayern gibt es konkrete Pläne. Grötsch möchte künftig Wasserstoff aus einem Reservoir in rund 1.500 Metern Tiefe gewinnen. Zusätzlich soll heißes Wasser aus der Tiefe für die Wärmeversorgung genutzt werden.
Bis natürlicher Wasserstoff eine größere Rolle in der Energieversorgung spielen kann, sind allerdings noch einige Hürden zu überwinden. Es muss zunächst genauer untersucht werden, wo sich geeignete Vorkommen befinden und ob sie wirtschaftlich erschlossen werden können. Auch rechtliche Fragen und fehlende Erfahrungen mit der großflächigen Förderung erschweren den Ausbau.
Natürlicher Wasserstoff könnte damit eine interessante Ergänzung zu anderen Formen der Wasserstoffproduktion werden. Ob aus den geologischen Vorkommen tatsächlich eine bedeutende Energiequelle entsteht, wird sich jedoch erst in den kommenden Jahren zeigen.
(Quelle: Deutsche Welle, 02.10.2026)
<< Zurück zu "Alle Meldungen"