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Größte Photovoltaikanlage auf einem Kirchendach in Bayern

Größte Photovoltaikanlage auf einem Kirchendach in Bayern

800 Quadratmeter Solardach für St. Karl Borromäus in Nürnberg-Mögeldorf. Photovoltaik auf Denkmälern geht nicht? Geht doch! Die katholische Gemeinde St. Karl Borromäus im Nürnberger Stadtteil Mögeldorf macht es vor. Dort ist im Laufe des Jahres 2024 das größte Photovoltaikdach auf einer denkmalgeschützten Kirche in Bayern entstanden: rund 800 Quadratmeter groß, verteilt auf Nord- und Südseite des knapp 100 Jahre alten Kirchengebäudes.

Insgesamt 1234 Module und 3600 Meter Kabel mussten verlegt werden, um die erwartete Jahresleistung von etwa 97.000 Kilowattstunden und 123 Kilowatt-Peak, also Höchstleistung, erreichen zu können, so der ausführende Architekt Peter Troppmann aus Regensburg. „Das entspricht dem durchschnittlichen Stromverbrauch von knapp 50 Haushalten pro Jahr.“ Und weiter: „Wir sparen künftig jährlich mit unserer neuen Anlage 42 Tonnen CO²-Emissionen ein im Vergleich zu früher.“

Nicht rentabel, aber wegweisend in Sachen Umweltschutz
Bei einem Pressegespräch Ende Oktober haben die Verantwortlichen die neue Photovoltaik (PV) – Anlage vorgestellt. „Im Januar 2025 wird sie dann in Betrieb genommen“, so Maximilian Dollinger, Verwaltungsleiter im Seelsorgebereich Nürnberg Nord-Ost, dem St. Karl Borromäus zugeordnet ist. „Wir können derzeit mit der neuen PV-Anlage die Kirche, den angrenzenden Kindergarten und Teile des alten Pfarrhauses komplett versorgen“, so Maximilian Dollinger. „Ziel ist es, unser gesamtes katholisches Quartier rund um St. Karl zu versorgen.“ Troppmann ergänzt: „Auch öffentliche PKW-Ladesäulen kommen noch.“ Finanziell bringe es der Kirchenstiftung St. Karl, also der Gemeinde, nicht viel, etwa 10.000 Euro Ertrag im Jahr würden erwartet. „Die Rückvergütung für eingespeisten Strom ist noch gering. Und wenn im Winter die Sonne fehlt, muss zugekauft werden.“ Zurzeit würden noch die passenden langfristigen Speichermöglichkeiten fehlen.

Leuchtturmprojekt
Dem Großprojekt geht eine langjährige Planung voraus, 2019 war klar, dass das Dach saniert werden muss. „Wir hatten viele Pfützen im Innenraum. Mit Eimern haben wir bei schlechtem Wetter das Wasser aufgefangen“, so Pater Leslaw Ogryzek, Pfarrer von St. Karl Borromäus. Stolz und glücklich sei er, dass die Gemeinde mitgemacht habe und alle Verantwortlichen so gut miteinander gearbeitet hätten. „Für mich ist es wie ein Wunder, dass es am Ende geklappt hat. Die Menschen in unserer Gemeinde sind begeistert.“ Das Solardach sei ein echtes Leuchtturmprojekt und könne als gutes Beispiel vorangehen.

Die Herausforderung für die Dachsanierung sei der Denkmalschutz gewesen, sind sich alle Beteiligten einig. Die Denkmalschützer hätten sich aktiv und konstruktiv hervorragend eingebracht, die Zusammenarbeit sei sehr gut gewesen. Die österreichische Firma Prefa habe die PV-Module geliefert, die sich in der Optik stark an den ursprünglichen asbest-belasteten dunklen Dachschindeln orientierten. Damit sei eine für alle Seiten optimale Lösung gefunden. Architekt Troppmann: „Diese neue PV-Anlage mit 800 Quadratmetern auf dem Kirchendach von St. Karl ist für alle Verfahrensbeteiligten Neuland gewesen.“ In so einer Größenordnung habe noch keiner gearbeitet.

Halten soll die Anlage laut Leistungsgarantie mindestens 25 Jahre. Auf Material und Farbe gewährt der Hersteller sogar 40 Jahre Garantie. Das hat Prefa-Projektleiter Holger Voit im August bei einer Begehung genannt.

Rundumschlag
Neben dem Solardach wurden in St. Karl gleichzeitig dringend notwendige Sanierungsarbeiten umgesetzt: Sanierung der Fenster, neue Bleiverglasung, Ausbessern von Rissen, Fassadenreinigung, Innenreinigung der Kirche, Überlackieren oder Entfernen von heute nicht mehr üblichen Holzschutzmitteln und noch weitere Maßnahmen. „Wir haben das Gerüst gleich genutzt, um weitere Maßnahmen durchzuführen“, so der verantwortliche Architekt Troppmann.

Erzbistum setzt Klimaschutz in Gebäuden hoch an
„Im Erzbistum Bamberg ist es die absolut größte PV-Anlage und das erzeugt Interesse und Nachfrage“, so der Energie- und Klimaschutzmanager Mario Burghardt. „Wir werden im Gebiet des Erzbistums aber nicht nur PV-Anlagen weiter ausbauen, sondern setzen auch andere regenerative Projekte um, gerade beim Thema Gebäudeheizung“. Der oberste Klimaschutzverantwortliche sieht das Erzbistum auf einem guten Weg. „Wir sind angetreten, um die Gebäude, bei denen es machbar und finanzierbar ist, für die Zukunft zu gestalten und fit zu machen.“ Die Gebäude seien unterschiedlich zu betrachten, auch welche Maßnahme wo sinnvoll sei. „Wir schätzen, dass wir im gesamten Erzbistum eine PV-Versorgung auf unseren Dächern von unter 10% haben.“ Mario Burghardt ist gespannt, was die aktuell erhobenen Daten im Rahmen des Gebäudekonzeptes für ein Ergebnis bringen.

Kosten
Für die Photovoltaik-Anlage und die Sanierungsarbeiten hat die Kirchenstiftung St. Karl mit einer Gesamtsumme von etwa 1,75 Millionen Euro brutto gerechnet. Am Ende wird wohl nicht die gesamte Summe benötigt werden. Die PV-Anlage mit Zuarbeiten fällt mit etwa 450.000 Euro zu Buche, der Rest fließt in die restliche Sanierung. Der Zuschuss vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege beträgt 320.000 Euro, das Erzbistum Bamberg beteiligt sich im Rahmen der üblichen Unterstützung für Baumaßnahmen von 65% an den Gesamtkosten, das sind 830.000 Euro. Der Eigenanteil der Kirchenstiftung St. Karl Borromäus beträgt etwa 600.000 Euro, die aus Rücklagen beglichen werden.

(Quelle: Stadtkirche Nürnberg vom 31.10.2024)

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