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Japans Energiewende zwischen Dekarbonisierung und Versorgungssicherheit

Japans Energiewende zwischen Dekarbonisierung und Versorgungssicherheit

Die jüngsten Spannungen im Nahen Osten und die Unsicherheit rund um die Straße von Hormus haben erneut die Abhängigkeit Japans von Energieimporten verdeutlicht. Rund 90 bis 95 Prozent der japanischen Rohölimporte passieren die strategisch wichtige Meerenge. Vor diesem Hintergrund gewinnen der Ausbau erneuerbarer Energien, die Stärkung der heimischen Energieversorgung und die Dekarbonisierung der Industrie weiter an Bedeutung.

Besonders im Fokus steht die Stahlindustrie. Mit einer Jahresproduktion von über 80 Millionen Tonnen gehört Japan weiterhin zu den größten Stahlproduzenten der Welt. Um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben und die nationalen Klimaziele zu erreichen, setzt die Branche zunehmend auf emissionsärmere Produktionsverfahren. Dazu zählen Elektrolichtbogenöfen (EAF) sowie künftig wasserstoffbasierte Direktreduktionsverfahren (H₂-DRI), die Kohle in der Stahlherstellung ersetzen sollen.

Allerdings bringt dieser Wandel neue Herausforderungen mit sich. Die Produktion von grünem Wasserstoff erfordert große Mengen erneuerbaren Stroms, während Japan gleichzeitig nur begrenzte heimische Energiequellen besitzt. Daher setzen japanische Unternehmen verstärkt auf internationale Lieferketten. So arbeiten beispielsweise Stahlunternehmen mit Partnern aus den Vereinigten Arabischen Emiraten zusammen, um künftig direktreduziertes Eisen für die Weiterverarbeitung in Japan zu importieren.

Damit entsteht jedoch ein neues Abhängigkeitsverhältnis: Die gleichen Handelsrouten und geopolitischen Engpässe, die heute den Import fossiler Energieträger prägen, könnten künftig auch für Wasserstoff und Vorprodukte einer klimaneutralen Stahlproduktion entscheidend sein. Insbesondere die Straße von Hormus bleibt damit ein zentraler Faktor für Japans Energie- und Industriesicherheit.

Die Entwicklung zeigt, dass Dekarbonisierung nicht automatisch alle Versorgungsrisiken beseitigt. Vielmehr verändern sich die Abhängigkeiten entlang neuer Lieferketten für Wasserstoff, grüne Rohstoffe und erneuerbare Energietechnologien. Für Japan wird daher zunehmend entscheidend sein, Klimaschutz, industrielle Wettbewerbsfähigkeit und Versorgungssicherheit gemeinsam zu betrachten und die Lieferketten der Energiewende möglichst resilient zu gestalten.

(Quelle: 01.06.2026 Tokyoreview )

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