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Neue Entwicklungen im Bereich Moor-PV 1,75 Milliarden Euro für Paludikulturen: Förderprogramm für nasse Landwirtschaft gestartet

Neue Entwicklungen im Bereich Moor-PV 1,75 Milliarden Euro für Paludikulturen: Förderprogramm für nasse Landwirtschaft gestartet

Mit einer neuen Förderrichtlinie will Bundesumweltminister Carsten Schneider die nachhaltige Nutzung von Moorflächen in Deutschland deutlich voranbringen. Nach Zustimmung der EU stellt die Bundesregierung bis Ende 2029 rund 1,75 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds bereit, um die Wiedervernässung trockengelegter Moorböden zu fördern.

Die Bedeutung dieses Programms ist erheblich: Nach Angaben des Umweltbundesamt verursachen entwässerte Moorflächen jährlich rund 20 Millionen Tonnen CO₂-Äquivalente, mehr als 37 % der landwirtschaftlichen Emissionen in Deutschland, obwohl sie nur etwa 5 % der landwirtschaftlich genutzten Fläche ausmachen.

Ziel des Förderprogramms ist es, sowohl die Planung als auch die Umsetzung von Wiedervernässungsmaßnahmen finanziell zu unterstützen. Erstmals werden dabei auch Ertragsverluste sowie potenzielle Wertminderungen von Flächen kompensiert. Parallel soll der Aufbau neuer Wertschöpfungsketten für sogenannte Paludikulturen gestärkt werden, etwa für die Nutzung von moortypischen Pflanzen zur Herstellung von Papierfasern, Dämmstoffen oder Baumaterialien.

Das Programm setzt bewusst auf Freiwilligkeit und ist modular aufgebaut: Einzelne Förderbausteine, von der Wiedervernässung bis zur Etablierung neuer Bewirtschaftungsformen, können separat beantragt werden. Zuschüsse von bis zu 100 % sind möglich. Bis 2030 sollen so rund 90.000 Hektar Moorfläche wiedervernässt oder entsprechend umgestellt werden. Ein besonderer Fokus liegt zunächst auf großflächigen Modellprojekten („Leuchtturmregionen“) ab 5.000 Hektar, die als Vorbilder dienen sollen.

Die Wiedervernässung bietet vielfältige ökologische Vorteile: Sie reduziert Treibhausgasemissionen, stabilisiert den Wasserhaushalt und stärkt die Biodiversität. Gleichzeitig eröffnet sie neue Perspektiven für eine klimaresiliente Landnutzung.

Herausfordernd bleibt jedoch die aktuelle Förder- und Rechtslage. Viele potenziell geeignete Kulturen wie Schilf oder Torfmoos sind nicht als landwirtschaftliche Kulturen im Sinne der GAP anerkannt und damit nicht förderfähig. Zudem unterliegen einige Arten (etwa Schilfrohr) naturschutzrechtlichen Einschränkungen (§ 39 Abs. 5 Nr. 3 BNatSchG). In der Praxis bleibt daher häufig nur die Nutzung von Nasswiesen bzw. Seggenbeständen im Rahmen einer extensiven Grünlandbewirtschaftung.

Vor diesem Hintergrund gewinnt die mögliche Kombination von Paludikultur und Photovoltaik an Bedeutung. Nach § 85c EEG können wiedervernässte Moorflächen grundsätzlich auch für PV-Anlagen genutzt werden. Insbesondere Agri-PV-Ansätze bieten hier Potenzial, da sie landwirtschaftliche Nutzung und Energieerzeugung verbinden. Erste Untersuchungen zeigen, dass bestimmte moortypische Pflanzen auch unter moderater Verschattung vergleichsweise stabile Biomasseerträge aufweisen können.

Vor allem vertikale Agri-PV-Systeme könnten eine interessante Option darstellen: Sie ermöglichen weiterhin eine Bewirtschaftung zwischen den Modulreihen und könnten durch zusätzliche Einnahmen aus der Stromerzeugung die wirtschaftliche Attraktivität wiedervernässter Flächen erhöhen. Erste Pilotprojekte, etwa von Wattmanufaktur, sowie Forschungsarbeiten am Fraunhofer ISE zeigen entsprechende Ansätze.

Aktuell fehlt jedoch ein klarer regulatorischer Rahmen für die gezielte Kombination von Paludikultur und Agri-PV. Landwirte stehen häufig vor der Entscheidung zwischen klassischer PV-Nutzung und landwirtschaftlicher Bewirtschaftung, anstatt beide Ansätze systematisch zu verbinden.

Trotz dieser offenen Fragen bietet das neue Förderprogramm die Chance, Moor-PV und Paludikultur stärker zusammenzudenken. Deutschland könnte damit eine Vorreiterrolle in der EU einnehmen und wichtige Impulse für eine nachhaltige, klimaresiliente Nutzung von Moorlandschaften setzen.

(Quellen: 17.04.2026 BMUKN, BfN, Fraunhofer ISE ,Wattmanufaktur, Greifswald Moor Centrum)

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