4. Nationales Forum Agri-PV – Wir waren dabei!
4. Nationales Forum Agri-PV – Wir waren dabei!
Am 25. März 2026 fand das 4. Nationale Agri-PV-Forum mit dem Titel „Marktentwicklungen der Agri-PV: Wirtschaftlichkeit, Technik, Umwelt und Praxiserfahrungen“ im Fraunhofer ENIQ auf dem EUREF-Campus in Berlin-Schöneberg von 10:00 – 16:30 Uhr statt. Die Veranstaltung erfolgte im Rahmen des vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) geförderten Forschungsprojektes SynAgri-PV. Zwei Vertreter des SolarInput e.V. haben für Sie teilgenommen und die wichtigsten Erkenntnisse nachfolgend kurz zusammengefasst. Für Rückfragen stehen wir Ihnen jederzeit gerne zur Verfügung.
Zusammenfassung – 4. Nationales Forum Agri-PV in Berlin (25.03.2026)
Das Nationale Forum Agri-PV in Berlin wurde mit einer Einführung von Dipl.-Ing. Andreas Steinhüser (Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE) von SynAgri-PV eröffnet. Dabei wurde deutlich, dass der Verbrauch von Öl und Gas weiterhin hoch ist: Rund 80 % der Energie werden in Deutschland für Wärme und Transport genutzt, während lediglich etwa 20 % auf den Stromsektor entfallen. Zudem wurde auf die Förderung von SynAgri-PV durch das BMFTR hingewiesen sowie auf den Aufbau eines Agri-PV-Atlas. Dieser soll als zentrale Plattform dienen und Akteure dazu aufrufen, ihre Projekte auf agri-pv.org einzutragen, um einen Überblick über Aktivitäten und Gremien zu schaffen.
Im anschließenden Vortrag stellte Carl Pump (Universität Greifswald) die Marktentwicklung der Agri-Photovoltaik in Deutschland vor. Dabei wurde ein deutlicher Ausbau insbesondere von Anlagen der Kategorie 1 im Zeitraum 2019 bis 2025 hervorgehoben. Dennoch wurde betont, dass das Ausbaupotenzial bislang nicht ausgeschöpft wird und insbesondere bürokratische Hürden reduziert werden müssen.
Salome Hauger (Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE) präsentierte eine GIS-basierte Potenzialanalyse geeigneter Flächen für Agri-PV. Auf Basis einer Studie des Fraunhofer ISE wurde aufgezeigt, dass insgesamt etwa 5.600 GWp an Flächen grundsätzlich geeignet sind, wovon rund 500 GWp als besonders geeignet gelten. In diese Bewertung flossen insbesondere Kriterien zur Planungssicherheit ein.
Matthias Meier-Grüll (Forschungszentrum Jülich) stellte die Potenziale der Agri-PV im Rheinischen Revier vor. Untersucht wurden drei Systemkonfigurationen: vertikale Anlagen, Kombinationen mit Obstbau sowie hochaufgeständerte Systeme im Ackerbau. Die Erträge bei vertikalen Anlagen lagen auf einem vergleichbaren Niveau zum konventionellen Anbau, während Landnutzungsraten von mindestens 120% erreicht wurden. Gleichzeitig wurde auf Flächenverluste durch reduzierte Arbeitsbreiten hingewiesen. Während diese im Ackerbau etwa 20% betragen, liegen sie im Obstbau unter 10%. Insgesamt wurde betont, dass Freiflächen-PV aktuell häufig wirtschaftlicher ist, da Agri-PV durch zusätzliche Bewirtschaftungsaufwände höhere Kosten verursacht. Gleichzeitig wurde die Bedeutung von Windschutz durch vertikale Anlagen hervorgehoben. Für 2027 ist zudem der Einsatz robotischer Systeme geplant.
Chantal Kindurf (Forschungszentrum Jülich) stellte Wirtschaftlichkeitsanalysen auf einer 2 ha großen Fläche vor. Untersucht wurden drei Szenarien: mit aktuellem EEG, ohne EEG sowie mit einem NRW-Zuschuss von 25%. Die Ergebnisse zeigen, dass vertikale Anlagen unter bestimmten Bedingungen wirtschaftlich sein können, während hochaufgeständerte Systeme und klassische Kombinationen aus Ackerbau und Agri-PV nicht in jedem Fall wirtschaftlich sind. Es wurde jedoch betont, dass die Wirtschaftlichkeit stark von Standort und Kultur abhängt.
Paula Friedrich ( Hochschule Kehl) thematisierte den Bürokratieabbau durch sogenannte Verfahrensfreiheit. Während diese Regelung Genehmigungsverfahren vereinfacht, führt sie gleichzeitig zu Unsicherheiten, da die rechtliche Absicherung durch Behörden entfällt. Dies kann insbesondere bei der Finanzierung problematisch sein. Als mögliche Lösung wurde der Bauvorbescheid genannt, der jedoch nicht in allen Bundesländern verfügbar ist, wie beispielsweise in Thüringen. In der Diskussion wurde deutlich, dass sowohl die Kreditvergabe als auch Netzanschlüsse ohne klassische Genehmigungen möglich sind, jedoch eine enge Abstimmung mit Banken und Netzbetreibern erforderlich bleibt.
Der Landwirt Franz Oberbauer berichtete aus der Praxis über eine nicht privilegierte Agri-PV-Anlage in Bayern. Die Anlage umfasst eine vertikale PV-Installation auf 4 ha mit etwa 800 kWp sowie einen Batteriespeicher von 1,3 MWh. Durch den Einsatz der Batterie kann der Eigenverbrauch optimiert und die Einspeisung gezielt gesteuert werden, was die Wirtschaftlichkeit verbessert. Zudem dient die Anlage auch als Schallschutz. Perspektivisch ist eine Erweiterung geplant, um ein Rechenzentrum mit Energie zu versorgen und dessen Abwärme für die Getreidetrocknung zu nutzen.
Ein weiterer Praxisbericht von Landwirt Merlin Batzill zeigte die Umsetzung einer 10 MWp-Agri-PV-Anlage auf 15 ha mit einem 4 MWh-Speicher. Die Anlage ist als Tracking-System ausgeführt und wurde bereits zwischen 2020 und 2022 realisiert. Die Entscheidung für Agri-PV fiel unter anderem aufgrund höherer gesellschaftlicher Akzeptanz im Vergleich zu Freiflächenanlagen. Es wurden sowohl positive Effekte, wie höhere Erträge im Grünland durch Verschattung, als auch Herausforderungen beschrieben, etwa ungleichmäßige Reife durch Tracking oder vermehrtes Auftreten von Tieren im Bereich der Anlagen, was die Fruchtfolge beeinflussen kann.
In der abschließenden Podiumsdiskussion wurde das Stimmungsbild in der Landwirtschaft diskutiert. Dabei zeigte sich, dass Akzeptanzprobleme („Not In My Backyard“) weiterhin eine große Herausforderung darstellen. Gleichzeitig wurden Sonderkulturen als besonders geeignet für Agri-PV hervorgehoben, insbesondere in wärmeren Regionen. Flächenvorgaben, ähnlich wie im Bereich der Windenergie, wurden als potenziell sinnvolles Instrument zur Verbesserung der Planungssicherheit und zur Reduzierung von Konflikten bewertet.
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