Wie wirtschaftlich ist Klimaschutz für den Staat?
Wie wirtschaftlich ist Klimaschutz für den Staat?
Eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) zeigt auf, dass die deutsche Volkswirtschaft von Ausgaben in Maßnahmen gegen die Erderwärmung und für den Klimaschutz sich auzahlen im Verhältnis zu den Kosten, die sie mit sich bringen.
Kosten- und Nutzenverhältnis liegen laut der Autorin der Studie, Claudia Kemfert, bei einem Faktor von 1,8 bis 4,8. Ein investierter Euro steht einem Nutzen im Wert von 1,8 bis 4,8 Euro gegenüber.
Obgleich die positive Ökonomie des Klimaschutzes von Fürsprechern verstanden und herausgestellt wird, verwehren sich Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche (CDU) und Bundeskanzler Merz (CDU) gegen eine Förderung der Energiewende mit dem falschen Argument, dass diese zu hohe Kosten verursachen würde. Die Aussage, der Staat könne es sich nicht leisten, so weiterzumachen wie bislang, so der Kanzler, trifft nicht nur nicht die Realität, sondern negiert auch zukünftige Kosten, die sich der Staat noch weniger leisten kann. Der politische Wille zur Verzögerung des Ausbaus der Erneuerbaren, der von Ministerin Reiche forciert wird, treibe die Kosten in die Höhe, wie Kemfert gegenüber der taz erklärt.
Die Kosten durch klimabedingte Extremwetterereignisse wurden im Zeitraum von 1980 bis 2023 auf 738 Milliarden Euro in der EU beziffert, mit ansteigender Tendenz. In Deutschland sind Kosten in Höhe von 145 Milliarden Euro seit dem Jahr 2000 entstanden. 80 Milliarden davon seit 2018. Eine Katastrophe wie jene Flutkatastrophe im Ahrtal birgt Klimakosten von 30 Milliarden Euro in der Folge. Die Klimafolgenforschung geht anhand von Klimawandelszenarien von weiteren finanziellen Einbussen zwischen 280 bis 900 Milliarden Euro in dem Zeitraum 2022 bis 2050 aus.
Die Schwierigkeit liegt nicht in der Darstellung potentieller Schäden, die durch das Unterlassen von präventiven Massnahmen in Folge des Klimawandels entstehen; sie liegt in der Erfassung positiver, volkswirtschaftliche Wirkungen des Klimaschutzes. Forschende ziehen hierzu drei Faktoren heran: eingesparte Brennstoffkosten, Verringerung der Gesundheitsbelastungen durch eine höhere Luftqualität und die Reduktion volkswirtschaftlicher Ausgaben für fossile Energieträger, die aus dem Ausland importiert werden müssten.
Allein in zwei Jahren, von 2021 bis 2023, wurden durch den weiteren Ausbau der Wind- und Photovoltaikanlagen Kosten für die Stromversorgung in Höhe von 100 Milliarden Euro eingespart.
Kemfert kommt zu dem Schluss, dass die Ausgaben zur Förderung der Erneuerbaren Energien durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) deutlich unter den verringerten Brennstoffkosten liegen und zweistellige Milliardenbeträge nicht investiert werde mussten durch nicht mehr benötigte Gas-, Kohle- sowie Ölimporte.
Gesundheitskosten, die nicht in die Kosten-Nutzen-Analyse einbezogen werden, entstehen für die Abnahme der Behandlungen von Atemwegs- und Herzerkrankungen zwischen 8 und 12 Milliarden Euro.
(Quelle: taz, 30.09.2025)
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